Winterreise nach Kirgisistan

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Mit noch sechs Tagen Resturlaub ging es aufs Jahresende zu und schon seit Monaten wurde jeden Freitagmittag gecheckt, welche Länder vom RKI nicht mehr als Risikogebiet eingestuft werden. So wurde sich z.B. mit Namibia, Ruanda, Uganda und Barbados etwas beschäftigt, den Durchbruch brachte dann aber das Urteil vom Oberverwaltungsgericht Münster, welches die sinnlose Quarantäne bei Rückkehr aus Risikogebieten aufhob, denn Achtung: Wir leben hier in einem Risikogebiet. Somit stand die Welt plötzlich wieder offen und der Blick richtete sich nach Zentralasien, eine Region, die für mich noch ein weißer Fleck war und daher weit oben auf der to-do-Liste stand. Die Seiten das Auswärtigen Amts verrieten, dass man für Kirgisistan nur einen PCR-Test bei der Einreise vorlegen musste und für Kasachstan ebenso, wobei die Regelungen für Kasachstan, da hier der Virus im Vergleich zu Kirgisistan verbreiteter war, strikter waren. Somit wurde sich für die sichere Variante entschieden und anstelle eines Gabelflugs mit Ankunft in Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisistan, und Abflug in Almaty, Kasachstan, doch lieber der return Frankfurt -Istanbul- Bishkek mit Pegasus Airlines zu 274€ gebucht. Preislich auch ein fairer Deal für die immerhin 6.000km pro Weg. Mit Sportsfreund Willy zwei Tage vor Abreise den PCR-Test am Flughafen Düsseldorf für 59€ absolviert und nachdem knapp 24h die frohe Botschaft negativ ausgedruckt werden konnte, ging es dann nach Frankfurt. Nach unspektakulärem Flug fing der Spaß dann in Istanbul mit Willy’s Heinemanngutschein an, so dass eine Flasche Rum günstig besorgt wurde und wir uns in der noch verbliebenen Stunde Aufenthalt einige Rum-Cola-Mischen genehmigten. Somit konnte der fünf stündige Nachtflug nach Bishkek angetrunken gut verschlafen werden. Der Landeanflug offenbarte uns nicht nur die erwartetet Kälte von Minusgraden sondern auch ein Winterwonderland mit dem wir so nicht gerechnet hatten, da Zentralasien ja aufgrund seiner kontinentalen Lage wenig Niederschläge verzeichnet. Am Flughafen wurde bei Einreise noch vor der Passkontrolle ein einsekündiger Sichtscan unseres PCR-Test vorgenommen. Da hätte sicherlich auch eine Quittung aus der Metro zum Passieren gereicht, aber weiß man erstens vorher nicht und zweitens will man so ein Risiko sicher nicht eingehen. Zumal bereits in Deutschland am Pegasus Schalter der PCR-Test vorgezeigt werden musste. Nach 5€ Geldwechsel ging es für selbigen Gesamtpreis mit einem Taxi in Zivil und einem weiteren Reisenden durch die Dunkelheit vom Flughafen Manas, welcher von 2001 bis 2014 der USA und seiner Verbündeten als Air Base diente und von hier insgesamt 5,5Mio Soldaten nach und von Afghanistan befördert wurden, zur Unterkunft Flagman Club-Hotel, welcher in einem einfachen Wohnviertel nahe der Innenstadt liegt. Nach Sonnenaufgang um halb 9 zog es uns zu den wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Vorbei an einer gewohnt prozigen russisch-othodoxen Kirche mit vergoldeten Türmen ging es zum  imposanten Ala-Too-Platz mit dem monumentalen Museum für Staatsgeschichte, einer hohen Freiheitsstatue nebst riesigem Fahnenmast und dem angrenzenden Regierungsgebäude. Nachdem die ersten Erinnerungsfotos im Kasten waren, führte unser Weg vorbei am nationalen Fußballstadion, welches auch von zwei Vereinen genutzt wird und über 23.000 Plätze verfügt, weiter über einen vollausgestatten aber nicht geöffneten Freizeitpark hin zu einem von zwei Bahnhöfen in Bishkek, dem zentralen Bishkek-2. Hier wollten wir uns über die Abfahrzeiten der einzigen in Betrieb stehenden Verbindung nach Balyktschy am See Issyk-Kul informieren. Die Betonung hierbei liegt auf wollten, denn es ging zwar eine Person in der Bahnhof hinein, allerdings hatte dieser geschlossen. Warum konnten uns mehrere Leute, die wir im Umfeld gefragt hatten, auch nicht sagen. Muss man sich mal in Deutschland vorstellen, der Bahnhof hat zu und keiner weiß warum. Nachdem wir in einem Restaurant mit Zapfhahn kein Zapfbier bekommen konnten, traten wir den Weg zurück zum Hotel an. Dort stand etwas später pünktlich wie vereinbart unser bekannter Taxifahrer in Zivil, um uns zu einem mehrtägigen Kök-Börü-Turnier außerhalb der Stadt zu fahren. Nach zähen Preisverhandlungen stiegen wir mit einigen kirgisischen Bieren letztlich dann doch für 10€ pro Person in seine Karre und der Spaß nahm seinen Lauf. Kök-Börü ist ein Pferdesport ähnlich dem Polo nur für ganze Kerle. Es gilt im 5er Team jeweils zu Pferd eine kopflose Ziege, die als Spielball fungiert, in das gegnerische Tor, einem großen ,,Brunnen‘‘ zu befördern. Dabei ist aus Laiensicht so gut wie alles erlaubt inkl. die Peitsche beim Gegner einsetzen. Dieser Sport ist seit Jahrhunderten der Nationalssport in Kirgisistan und einigen anderen zentralasiatischen Ländern und zeigt, welch hohen Stellenwert heute noch Pferde und das Reiten in der Gesellschaft genießen. Die Traditionen und das einfache Landleben sind außerhalb der Hauptstadt allgegenwärtig in Kirgisistan. Um einen Eindruck vom Kök-Börü zu gewinnen, kann man sich auf Netflix in der Serie Heimspiel die entsprechende Folge einmal geben. Das Stadion bestand aus einem einseitige Ausbau mit einer teilweise überdachten Stehplatztribüne, Eintritt wurde keiner verlangt. So konnte man sich der Action bei den letzten eigenen Bieren widmen und harte Aktionen im Kampf um die Ziege bestaunen, Mensch und besonders die Pferde werden hier extrem beansprucht, nichts für Tierliebhaber also. Auch für leibliche Wohl war gesorgt, so verkauften älteren Frauen Suppe, Piroggen und auch Bier aus praktischen 1 und 1,5l PET-Flaschen zu 1€. Nach 3 Spielen und 2,5h waren wir kurz vorm Gefierpunkt, so dass folgerichtig nur eine Kneipe unsere Herzen erwärmen konnte. Diese fanden wir und zu 60-80Cent für den Halben schlossen wir mit einigen Gezapften den Tag erfolgreich in einer kleinen ziemlich dunklen Spelunke ab.

In der Nacht noch vom russischen Zimmernachbarn durch laute Musik bei seiner Abreise geweckt, ging es nach dem Hotelfrühstück in Form von Spiegelei, einer Wurst und Brot nebst Kaffee zum auschecken, da wir Lust auf eine andere Bleibe und mehr Nähe zum Busbahnhof West hatten. Unsere Wahl fiel auf das Apple Hostel direkt hinter einem zusammengeschusterten Blechzaun am Busbahnhof in einer unscheinbaren, aber guten Lage. Hier sprach man auch Englisch, was die weitere Planung etwas vereinfachte. Einziger kultureller Programmpunkt des Tages war der Besuch des Osh-Basars, welcher auf keinem Besuch in Bishkek fehlen sollte. Ein wildes und buntes Treiben, unzählige kleine Stände und vorallem viel Obst, Gemüse und Gewürze. Bei letzterem schlugen wir zu. Am Ende noch etwas Warmes gegessen, Piroggen und mit Fleisch gefülltes Gebäck, sehr lecker. Allerdings aufgrund des unsichtbaren Feinds war man stets bemüht nicht zu sehr im Trubel zu sein und Maske war ebenfalls immer auf. So waren wir auch froh nach 1,5h wieder rausgekommen zu sein und für mich gabs bei einem der vorgelagerten mobilen Händler noch drei Paar Socken zum Aktionspreis von insgesamt 1€ Zwinker Der Abend wurde dann nach einem kürzeren Stop in der Bar Drive, welche ganz nett eingerichtet ist, jedoch zur frühen Abendstunde noch keine weiteren Gäste begrüßen konnte, im Pinta Pub, welcher einer der bekanntester und internationalsten in der Stadt ist, verbracht. Dieser sieht auch wirklich entsprechend des Namens aus. Viel europäische Fußballdeko mit Schals, dazu Kneipenschilder, 80er,90er und 2000er Musik inkl. der damals noch guten Musikvideos und Fußball im TV. Anfänglich noch normal Halbe bestellt, erklärte man uns bei der zweiten Runde, dass wir jetzt Schere-Stein-Papier spielen dürfen und bei Erfolg ein Bier gratis bekommen. Schnell zeigte sich, wie einfach das ist, da die Kellnerin immer Schere machte. Wir schwenkten dennoch über zur 3 Liter Säule, welche wie jeder Säulenkenner weiß, nur gut mit Eiskern ist. Bei der Säule darf man zwei Mal schnicken und auch diese Runden gingen an uns, so dass am Ende des Abends zum sehr fairen Preis einige Liter verköstigt wurden. Da wir noch Lust auf einen Absacker hatten, gab es diesen noch in der vorherigen Bar Drive, wo wir uns von unseren besten denn spaßtrunkenen Seite zeigten. Irgendwann ging es in Waagerechte, den für den nächsten Morgen hatten wir einen wichtigen Termin, von der die Botschaft von Kasachstan noch nichts wusste.
> Bei dieser schlugen wir, nach etwas Schwierigkeiten den richtigen Eingang des großen Geländes zu finden, auf.  Laut Auswärtigen Amt war die Einreise für Deutsche mit einem PCR-Test möglich, jedoch fehlte uns in Deutschland die nötige Zeit, um ein Visum, welches aufgrund des Virus erfordert wurde, zu bekommen. Ein Mitarbeiter der Botschaft teilte uns an diesem Morgen mit, dass die Einreise auf dem Landweg als Tourist nicht möglich sei, wir daher einen Flug buchen müssten. Freundlicherweise stellte er einen Hotspot, die Recherche verlief allerdings ohne Treffer. Besonders Usbeken fliegen laut seiner Info von Bishkek aus nach Kasachsten und die Flüge kosten schon mal 300Dollar für den 45 minütigen Flug nach Almaty. Generell war auch zu weniger Geld unser Interesse an diesem Flug nicht so groß, da wir für unseren Rückflug nach Deutschland auch wieder nach Bishkek mussten oder eine Umbuchung nötig gewesen wäre.  Das Visum hätten wir hier übrigens in 1-2 Tagen bekommen können, ein Flugticket muss dann aber beigebracht werden. Enttäuscht über diese neue Erkenntnis, aber motiviert für Kirgisistan ging es zurück zum Hostel, Taschen abgeholt und dann per ,,shared Taxi‘‘ zum Wunschort Bokonbayevo, welchen wir beiden selber erst von unseren ersten Taxifahrer gehört hatten. Die Lage war aber ideal, lag diese 10.000Einwohner Gemeinde direkt am Issyk-Kol, dem 23. größten See der Welt und in unmittelbarer Nähe zum Hochgebirge. Wie angekündigt wurde man direkt von den Fahrern angesprochen wo es hingehen sollte und so saßen wir wie vorhergesagt für 5€ pro Nase in einem Taxi. Eine halbe Stunde später fand sich ein dritter Mitfahrer und die wilde gut 200km Sause mitsamt ausreichend flüssigem Proviant konnte losgehen. Unser Fahrer trat ordentlich aufs Gaspedal und damit auch unser Mitfahrer Kanack etwas lockerer wurde, boten wir ihm ein Bier an. Dieser jedoch erwiderte, dass er nur Schnapps trinke und Bier nichts für ihn sei. So fühlte ich ein Wasserglas mit unseren restlichen Bacardi vom Flughafen und zu unserer Überraschung zog er es in eins weg. Es folgten noch zwei weitere Gläser, wobei er schon ab dem zweiten nicht mehr exte und zunehmend Wasser dazu trank. Er hatte nach einer Stunde dann gut einen sitzen und zeigte uns neben Fotos von seinen beiden Frauen auch seine Playlist so dass es fortan mit Hits wie ,,Du hast den geilsten Arsch der Welt‘‘ , ,,Hyper Hyper‘‘ und ,,Eins zwei Polizei‘‘ entlang der kasachischen Grenze nach Balyktschy ging. Dort mussten wir zur unserer Überraschung das Taxi wechseln, ein anderer Fahrer stand schon mit einem Pärchen in den Startlöchern und so ging es mit diesem weiter entlang des 182km langen Issyk-Kol-Sees. Nach einem gutem Essen in einem Restaurant im kleinen Zentrum von Bokonbayevo und Buchen einer Unterkunft ging es zu Fuß zu dieser. Der Weg führte durch einfache Wohnviertel, was nicht heißt, dass die Häuser von innen nicht schön eingerichtet waren. Uns begegneten noch ein paar Schaf- und Kuhherden sowie ein liegen gebliebenes Auto, bei dem wir kurzerhand mitanschoben, jedoch letztlich ohne den gewünschten Erfolg. Vor unserer Unterkunft Guest House Guljan angekommen, sagte man uns, dass das Haus aufgrund unserer kurzfristigen Buchung nicht aufgeheizt sei und wir daher in einem anderen untergebracht werden. Freundlicherweise ging Kollege Aleybek auch gleich mit rüber und die andere Unterkunft Guest House Gulmira war uns auch bereits bei booking.com aufgefallen und war ebenso gut. Gulmira lud auch gleich zum Abendessen ein und Aleybek der Tourguide erzählte uns von möglichen Wanderungen für den nächsten Tag. Da wir nur einen Tag wandern wollten und aufgrund unserer nicht vorhandenen Wanderschuhe auch alles andere schwierig gewesen wäre, zumal wir nicht scharf darauf waren im Hochgebirge zu zelten, fiel die Entscheidung auf die gute Optionen mit einem Jepp auf 3.500m zu fahren, dann auf einen 4.000m Gipfel zu steigen und dessen Kamm entlang zu wandern, um dann bis auf gut 2.000 wieder abzusteigen.

Der nächste morgen bot jedoch keine ausreichend klare Sicht am Gipfel, so dass Aleybek uns um einen Tag vertröstete. Seine Quelle namens Google Weather hatte für den Folgetag wolkenlos angezeigt. So änderten wir nach dem Frühstück unseren Tagesplan und checkten aus, um einem must-do in Kirgisistan nachzukommen, dem Schlafen in einer traditionellen Jurte. Dazu ging es nach dem Erwerb etlicher Biere im Zentrum per Taxi die rund 10Minuten zum Bel Tam Camp direkt am Ufer des Sees. Die Sicht über den See mit den kasachischen Hochgebirge am Horizont und dem kirgisischen Gebirge zur rechten war wirklich beeindruckend, so dass erstmal  Fotos geschossen wurden. Nach einer kleinen Stärkung ließen wir uns dann in den eine halbe Stunde entfernten Mars Canyon fahren, welcher mit seinen roten und teilweise schneebedeckten Felsformationen wirklich einiges hermachte. Wir baten den Fahren in zwei Stunden wieder zukommen und hatten so ausreichend Zeit durch den Canyon zu laufen, Fotos zu schießen und ein paar Bier an diesem besonderen Flecken aus Canyon, See und Gebirge zu trinken. Diesen Ort solltet ihr definitiv sehen, wenn ihr einmal am Issyk-Kol in Kirgisistan seid. Nach unserer Rückkehr im Camp wurde es bereits dunkel, so dass wir in die Jurte einkehrten, welche neben drei Betten auch Strom hatte. So konnte neben einem Kohleofen auch eine mobile Elektroheizung dafür sorgen, dass es bei -8°C Außentemperatur nicht allzu kalt in der Jurte wurde. Nach einem traditionellen kirgisischen Essen endete der Tag bei Flaschenbier und Hopping-Podcasts in der landestypischen Behausung einer Jurte, die viele Kirgisen noch in den Sommermonaten Ihrem festen Wohnsitz vorziehen.
> Der nächste Morgen begann früh und kühl, da der Kohleofen übernacht keine Kohlezufuhr von uns bekommen hatte. Unsere Gastgeberin bereitete bereits das Frühstück in Form von kirgisischen Pancakes zu. Nachdem wir uns daran ordentlich satt gefuttert hatten, trat unserer Guide Aleybek mit Fahrer herein, um uns wie vereinbart abzuholen. So ging es nach einem erfolglosen Stop auf der Suche nach Postkarten mit einem Opel-Jeep rund 1 Stunde lang über Schotterpinsten im Gebirge immer höher. Das Panorama war super und grüne Weiden wechselten sich mit Felsformationen und weißen Bergen in nah und fern ab. Nur ab und zu tauchen Hütten auf und so wirkte es obwohl wir nicht allzu lang gefahren sind als seien wir in dieser kargen Gegend fernab der Zivilisation. Auf rund 3.500m angekommen und damit 1.800m höher als der See hieß es Endstation. Wir wanderten nun die letztem 500m bis zum Gipfel, was aufgrund der steilen Hänge ganz schön reinhaute aber dennoch mit unseren Sportschuhen ganz gut ging. Oben kreisten einige Falken und auch ein Adler zog seine Bahnen über uns. Die letzten hundert Meter wurden steinig und oben angekommen offenbarte sich ein klarer 360° Blick. Zum einen über den Issyk-Kol und das dahinter liegende weiße Hochgebirge welches die natürliche Grenze zwischen Kirgisistan und Kasachstan an dieser Stelle bildet und zum anderen in südlicher Richtung weitere unzählige 4.-5.000m hohe Berggipfel, die aneinander gereiht eine Barriere innerhalb Kirgisistans erzeugen. Entlang des rotfelsigen und steinigen Gebirgskamms ging es für eine Stunde teils wacklig weiter bis man wieder normalen Untergrund erreichte. Jedoch war der normale Untergrund so steil, dass für die nächsten 3 Stunden der Abstieg sehr kraftraubend war. Der Ausblick und die ein oder andere Bierpause entschädigten diese Challenge aber etwas. Kurz nachdem die Dunkelheit hereingebrochen war erreichten wir die erste Siedlung wieder, wo uns unserer Fahrer aufsammelte. Der gute hatte die Ehre, die ganzen 4 Stunden auf uns zu warten. Nach den Strapazen waren wir froh, uns in seinen Jeep setzen zu können und als wir wieder unser Guesthouse aus der vorletzten Nacht erreichten, wartete man schon auf uns, so dass wenig später schon wieder zum Abendessen gerufen wurde. Rückblickend kann ich diese Tagestour für 20€ pro Nase sehr empfehlen, man sollte aber schon fit sein, da diese Bergwanderung mit beschaulichem Wandern nur teilweise etwas zu tun hat. Nach einem Bier in der Koje war der Akku auch erschöpft und so ging an diesem Abend nichts mehr.

Trotz wenig Hunger hieß es abermals Frühstücken, diesmal Milchreis dazu die üblichen 2-3 Tee die man nicht ablehnen konnte. Nachdem diese Hürde genommen wurde, stand auch schon wieder der Jeep vor der Tür. Nachdem die Biervorräte aufgestockt waren, ging die am Tag zuvor besprochene Tour für 20€ p.P. los. Erster Stopp Fairy Tale Canyon, welcher eine Felsformation beheimatet, die an die chinesische Mauer erinnert. Aufgrund von Schnee und Eis eine anspruchsvolle Begehung, so dass es nach einem Bier und viel Mühe weiter zu einem ausgestellten Sowjet-Kampfjet am Issyk-Kol ging. Nachdem diesem kultigen Fotomotiv, stand ein Stopp an einem bzw. zwei gefrorenen Wasserfällen an. Nebenbei fanden wir hier eine coole Steinskulptur, die Juri Gagarin im Weltraumhelm zeigt und an ihn als ersten Menschen im Weltall erinnert. Es folgte der Hauptgrund der Tour, die Fahrt auf 4.000m Höhe zur zweithöchsten kommerziellen Goldmine der Welt und dem Ara Bel Pass. Nach steilen kurvigen Schotterpisten auf denen uns nur die LKW’s und Vans der Goldmine entgegen kamen erreichten wir das Hochplateau. So weit das Auge reichte eine weiße ebene Landschaft umgeben von weißen Bergen. Kurz vor der Goldmine hielt unserer Fahrer, da offensichtlich ein Reifen schlapp gemacht hatte. Somit kamen Wagenheber und Ersatzrad zum Einsatz und wenig später ging es so nah wie erlaubt ran an die Goldmine. Leider war ein Besuch dieser nicht möglich, warum nur ;-). Am Pass selbst wachte die Statue eines Schneeleoparden, die auch in diesem Gebiet vorkommen, sowie eines Marco-Polo-Schafs über diesen. Als Nebeneffekt gaben sie gute Fotomotive ab. Als die Hände zitterten, ging es zurück in den Jeep und mit letzten kirgisischen Bieren wurde die Rückfahrt zur Unterkunft verbracht. Am Ende ein cooler Ausflug bei dem man viel von der abwechslungsreichen und ursprünglichen Landschaft sehen konnte und sich dafür nach den vorherigen Wanderstrapazen mal ganz bequem kutschieren lassen konnte. Zum Abschluss des Tages ging es noch zum Friseur. Die freundlichen Frisörinnen hatten ihren Spaß und für 1,45€ konnte der Frisör-Länderpunkt eingetütet werden, für mich Nummero 12.

Am nächsten Vormittag ging es die 15 Minuten zu Fuß ins Zentrum, um ein ,,shared Taxi‘‘ zurück nach Bishkek zu nehmen. Allerdings fuhren augenscheinlich nur die Kleinbusse zurück in die Hauptstadt oder aber man nimmt sich ein privates Taxi. Letzteres schied aufgrund der Preisdifferenz aus und so ging es für 3,50€ p.P. im Kleinbus die 3 Stunden zurück ins kalte Bishkek. Hier hatten wir uns diesmal für das White Hotel & Hostel entschieden, konnte dies doch mit einer zentraleren Lage und Nähe zum Pinta Pub punkten. So ließen wir uns an der Hauptstraße absetzen und nach einem ersehnten gezapften Halben auf halben Fußweg erreichten wir dieses gute und moderne Hostel für 8€ p.P. im Doppelzimmer ohne Frühstück. Es folgte eine Taxifahrt in eine der beiden Malls, um an Postkarten zu kommen, sowie zum Postamts von Bishkek, um zwei Karten für umgerechnet 84Cent nach Deutschland zusenden. Bislang sind diese noch nicht hier eingetroffen, es bleibt also weiterhin offen, ob die Dienstleistungskette trotz des günstigen Preises funktioniert. An einer besseren Krebsbude versorgten wir uns mit einem XXL-Lamacum zur 1,50€, welcher zwar unglaublich satt machte, allerdings auch durch das Erwärmen in einer Mikrowelle nicht unbedingt mit Qualität überzeugen sollte. So ging es meinem Magen im Verlauf des Tages zunehmend schlechter. Nach einem zwei Bier Besuch im Pinta Pub hieß es, die Segel zu streichen und sich etwas zu erholen. Dies glückte auch und so konnte am Abend in einem kirgisischen Restaurant noch eine kleine feine Fortsetzung erfolgen.
> Der letzte Tag vor der Abreise war der erste, für den wir keinen Plan hatten. So entschieden wir uns letztlich für das Historische Museum am Ala-Too-Platz, welches ein überdimensionierter Bau im monomentalen Sowjetstil ist. Leider hatte dieses geschlossen, was wiederum nur auf Vorsichtsmaßnahmen aufgrund der Pandemie zurückgeführt werden konnte. Somit hatten wir keinen kulturellen Tagesordnungspunkt mehr und es folgte nach einem Restaurantbesuch am Platz eine Visite im uns empfohlenen Metro Pub. Dieser ist der wohl bekannteste Pub in Bishkek und für viele Expats und Bishkeker eine der Top-Adressen. Der Laden macht optisch einiges her, verfügt über bequeme Couches und eine kleine Bühne samt Schlagzeug. Da wir an diesem Samstagnachmittag allerdings die einzigen Gäste waren, ging es nach einem Metro Beer weiter ins Hostel. Der Abend wurde dann feuchtfröhlich im Pinta Pub verbracht, wobei die 3 Liter Säule nochmal zum Einsatz kam und auch unsere Leistungen im Schnick-Schnack-Schnuck (es wurde weiterhin konsequent Schere von den Bedienungen genommen) einige Freibiere hervorbrachten. Mein Magen meldete sich allerdings zu Wort, so dass ich einmal vor die Tür flitzen musste. Die Neugier trieb uns dann nochmal in den Metro Pub, doch auch hier war gegen 12 Uhr heute nicht viel los, so dass wir und im Hostel ablegten. Nach 3,5 Stunden Schlaf hieß es schon wieder aufstehen, denn der Taxifahrer stand vor der Tür und brachte uns zum Manas Airport. Hier war man penibler als in Deutschland. So konnte zum einen unser Handgepäck nicht mit in den Flieger und zum anderen bestand man darauf, dass wir uns online zusätzlich registrieren, was aber nachdem wir dies getan hatten dann auch keiner mehr überprüft hat. Mit erneutem Umstieg am diesmal noch volleren Flughafen Istanbul Sabiha Gökcen erreichten wir Frankfurt. Ein Coronatest war nicht vorgeschrieben, wir wollten dennoch einen machen. Kostenlos ging dies am Flughafen beim Roten Kreuz allerdings nur für Einwohner aus Hessen. Somit noch einen Umweg über Düsseldorf in Kauf genommen, um am Tag darauf das Ergebnis negativ zu erhalten. In den Tagen danach war man dann auch um Kontaktreduzierung bemüht, aber der Preis war es für das Erlebte allemal wert. Mit Gesamtkosten von rund 580€ + PCR-Test für die insgesamt 8 Tage dieser Tour ebenfalls eine faire Nummer. Ich kann Kirgisistan definitiv weiterempfehlen, allerdings sollte man ein Faible für Natur- und Abenteuerurlaub mitbringen und kombiniert dies, wenn man schon mal in Zentralasien ist, am besten noch mit einer Tour nach Kasachstan oder Usbekistan. Die Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber uns war wirklich beeindruckend und so musste man sich meistens auch nicht mit Touriabzocke rumärgern.