Ein Versuch der Entschleunigung- ein Trip in die Natur der Slowakai

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Angesichts der noch wenigen für mich verbliebenden reizvollen Reisezielen in Europa entschloss ich mich, einen Trip durch die Slowakei zu unternehmen, um wandern zu gehen und so mal vom teilweise stressigen Berufsalltag etwas abzuschalten. Ein günstiger Flug von Dortmund nach Kattowitz wusste dank Michell O’Leary Harfenjet zu gefallen und so saß ich nach verschlafenem Flug im übernächsten Linienbus in die Innenstadt. Der erste Bus wurde verpasst, da ich eine ältere Dame vorließ, welche dann für eine Schlange am Ticketautomaten sorgte und der Bus mit ihr aber ohne mich losrollte. War aber nicht weiter schlimm, hatte ich doch 4 Stunden bis zur Abfahrt des Busses im Kattowitzer Busbahnhof. So war vor Abfahrt noch Zeit für ein Bierchen im angrezenden Park, was wiederum aus dem nichts noch die Policia auf den Plan rief, da öffentliches Trinken in Polen nicht gern gesehen wird und mit einer Geldstrafe geahndet werden kann. Es blieb allerdings bei einer freundlichen Verwarnung und wenig später ging es dann auch per Flixbus für 12€ weiter. Zunächst nach Ostrava in Tschechien, wo ich für den 3h Stopover noch einige kultige Lokale ansteuerte, diese jedoch leider mit einer Mastercard nichts anfangen konnten, so dass ich nach diesem Spaziergang mit dem Bahnhofsmarkt vorlieb nehmen mussten und so am unentdeckt am Bahnhofsgleis die Stimmung mit ein paar tschechischen Pils aufbesserte. Der Zug vom Unternehmen Leo Express hatte knapp eine halbe Stunde Verspätung, dies war allerdings das kleinere Problem, wurde ich im Zug kurz vor der nächsten Station vom Schaffner darauf hingewiesen, dass dieser Zug nicht weiter fahren würde und das schon seit über einem Monat. Sichtlich überrascht erwiderte ich, dass vor 5 Minuten am Bahngleis noch gesagt wurde der Zug fahre bis Zilina in der Slowakei und auch die Anzeigetafel dies so angezeigt habe. Dem konnte das Zugpersonal nicht folgen und so ging es für mich an den Ticketschalter des Provinzbahnhofs. Glücklicherweise fuhr an diesem Sonntagabend noch ein Zug nach Zilnia, nur allerdings 2h später und für knapp 9€ hatte ich ein neues Ticket in der Hand. Da es mittlerweile dunkel draußen war, verzog ich mich gerne in die Bahnhofskneipe und verbrachte die Wartezeit mit dem ein oder anderen großen Gezapften für etwas mehr als 1€ sowie Musik aus der guten Alten Popzeit mit Hits von Cher und Westlife. Dazu gesellten sich u.a. ein paar tschechische Alkis, so dass das ganze kultig war. Einer sprach mich dann noch an und erzählte mir von seinen Bauarbeiterjobs in Deutschland. Wenig später folgte dann die Info eines anderen, dass das hier der gefährlichste Ort Tschechiens sei, während die liebe Kyle Minouge einen ihrer Hits zum besten gab. Als ich zum Schnappstrinken motiviert wurde, machte ich aber nen Abflug und allein im 6er Abteil ging es durch die Finsternis ruckelnd aber dennoch gemütlich bei den letzten Proviantbieren nach Zilinia. Hier hatte ich mich im Vorfeld für das Hostel Zilinia entschieden, da es preislich mit 12€/Nacht für ein Privatzimmer bei Buchung von min. zwei Nächten einfach nur gut sein konnte. Meine Verspätung hatte ich kurzfristig mitgeteilt und so wartete auch die Dame am Empfang noch 20 Minuten, bis ich per Pedes vom Bahnhof angekommen war. Ein Kozel-Bier zum Einschlafen gabs auch noch und so fiel ich erschöpft in die Koje.

Am nächsten Morgen führte mich mein Weg zum nahegelegenen Billa-Supermarkt, um mich erstmal für die geplante Wanderung zu stärken. Als Highlight möchte ich neben den obligatorischen Käse-Schinken-Brötchen den Fleischkäse erwähnen, welche nur so vor Käse triefte und für 1,30€ diesen und den folgenden Morgen meine Geschmacksknospen beglückte. Für den ersten Tag hatte ich mir eine Wanderung in der Tatra vorgenommen, welche nur einige Kilometer von meinem Hostel entfernt liegt. Per Linienbus sollte es zum nächstgelegenen Ort namens Strecno gehen. Sollte, denn wollte oder konnte der Busfahrer zwar die 0,55€ Fahrgeld nicht annehmen, fuhr der Bus nur etwa die halbe Strecke, bis zum Ort Mojs, so dass ich mich über eine Zuschlag in Form eines einstündigen Spaziergangs ,,freuen durfte‘‘. Wäre im Endeffekt auch nicht schlimm gewesen, hätte es nicht geregnet und ich ausversehen ein alkoholfreies Radler gekauft. In Strecno angekommen empfing mich neben nur vereinzelten Menschen eine geschlossene Touriinfo, dafür jedoch eine große Tafel mit allen Wanderrouten der Umgebung, also ausreichend. Ich entschied mich für die Chata Pod Suchym auf 1075m, so dass es gut 700 Höhenmeter zu bewältigen gab. Aufgrund des steilen rutschigen Waldweges alles anderes als Anfängerfreundlich, aber nach gut zwei Stunden erreichte ich die wie aus dem Nichts erscheinende Berghütte. Berghütte ist sicherlich untertrieben, denn es war ein großes mehrstöckiges Haus mit urigem Restaurant. Zum verdienten Pils entschied ich mich für eine Suppe aus Kartoffeln, Mettwurst und Sauerkraut zu 3,50Euro, welche zwar sehr lecker war, meinen Magen aber später noch überfordern sollte. Da es bereits um sechs Uhr dunkel wurde, musste ich leider schon etwas zu früh wieder los. Schade, war ich doch der einzige Gast an diesem Tag und hätte mir gern noch die Gastfreundschaft länger schmecken lassen. Nach anfänglicher Verirrung auf der gelben Route, welche mir empfohlen war und direkt in den tiefen Wald führte, kam ich dank GPS auf die rote Route und von dort mit letzten Kräften nach 3 Stunden bergab im Ort Varin an. Von diesem Vorort fuhr glücklicherweise wenig später ein Zug nach Zilina, so dass es bequem per Linienbus zurück zum Hostel ging. Hier musste ich erstmal meine völlig durchnässten Schuhe trocknen und die waagerechte ansteuern. Ein paar Gezapfte sollte es aber dennoch geben und so ließ ich den Abend in einem angrenzenden italienischen Bistro ausklingen, welches durch ein paar zwielichtigen Typen und gewohnt günstigem Bier zu gefallen wusste.

Nach erneutem Frühstuck am Billa-Markt, Rucksack aufgeschnallt und per Linienbus zum Bahnhof von Zilinia, wo ich unkompliziert und in 2 Minuten mein Ticket nach Bratislava kaufte. Super dabei, dass die slowakische Bahn ein Festpreissystem auf Ihre Zugfahrten hat und man sich daher keinen Stress mit einer frühzeitigen Reservierung machen brauch. Für 9,50€ ging es in den Regionalzug, welcher mich nach angenehmer Fahrt bei dem ein oder anderen Bier für 1,20Euro; im Bordbistro in Bratislava bei Regen ausspuckte. Den 30 Min. Fußweg Min zur Unterkunft Patio Hostel in der Bratislava-Innenstadt nutze ich für die ersten Eindrücke der Stadt, die maximal okay waren. Nach einchecken im Einzelzimmer, hieß es sich von Sturm und Regen nicht abhalten lassen und quer durch die Altstadt hoch zur Burg, welche zumindest durch das Fernbleiben jeglicher Touris und dementsprechend gut für Fotos zu gefallen wusste. Gut durchnässt ging es dann auf Tipp eines Kumpels zum unterhalb der Burg gelegenen Busbahnhof bzw. in dessen kultige Kneipe. Fünf große Bier zu 1,10Euro, zwei im Hals brennende Schnäpse und ein Mikrowellen-Burger später war auch dieses Highlight mitgenommen und nach einer bzw. Drei-Bier-Visite in der recht guten und studentischen Bar neben dem Hostel ging es dann in die Koje.

Nach wohltuender Dusche bevor die anderen Hostelianer auf den Fußen waren, machte ich noch einen Schlenker durch die Bratislaver Fußgängerzone, vorbei an der Burg und kam zu früh am Bahnhof von Bratislava an. Das Zugticket für die fünfeinhalbstündige Fahrt nach Kosice, im Osten des Landes gab es diesmal zum Kostenpunkt von 18,50€. Entgegen meiner Erwartung fuhr der Zug zunächst in den Norden nach Zilina, um dann von dort weiter gen Osten zu rollen. Meine Hoffnung auf ein alleiniges 6er Zugabteil wurde noch vor Abfahrt durch zwei junge Slowakinnen beendet und als wenig später noch weitere Personen dazu kamen und Ihre Sitzplatznummer einforderten, hieß es die weiße Fahne zu wedeln und mich ins gemütliche Bordbistro zu begeben. Nach einigen Bieren erfreute ein schwergewichtige Barmann mich und die anderen Gäste mit Musik von Modern Talking bis Slowakischen Rap und so verging die Zeit gut und die Landschaft war trotz bescheidenen Wetters durchaus sehenswert. Im Verlaufe der Fahrt fiel mir auf, dass der Zug doch glatt an dem Provinzbahnhof halten könnte, zu dem mich mein Weg nach Ankunft in Kosice noch führen sollte. So nutze ich diesen unverhofften Service und stieg in Margecany, rund 30 Minuten vor Kosice, aus. Da die Dämmerung bereits eingesetzt hatte, hieß es keine Zeit verstreichen zu lassen, um die 3km in den benachbarten Ort Jaklovce mit seinen knapp 2.000 Einwohnern zu laufen. Entlang eines Sees durchaus nett, jedoch fuhren die Slowaken gerne unnötig schnell auf dieser Straße die keinen Bürgersteig hatte, so dass es am Ende aufgrund der Dunkelheit etwas stressig wurde und ich ab und zu warten musste, bis die Autos an mit vorbei waren. Die Unterkunft Pumpa Jaklovce ist direkt in der ersten Etage über der gleichnamigen Tankstelle und wusste mit geräumigen Zimmern zu 20€/ die Nacht zu überzeugen. Andere Angebote bei booking.com waren rar und deutlich teurer somit eine gute Lösung. Unten konnte ich im Restaurant Bikers Garage einen leckeren Burger für unter 6Euro; mit Pommes verkosten. Leider war das Bier sowohl aus der Flasche als auch warm, aber der netten Bedienung konnte man dies zu den sowieso guten Preisen eh nicht übelnehmen. Mit einem Halben von der Tanke verkroch ich mich zu Fußball im TV aufs Zimmer und erlag der Müdigkeit wenig später.

Am nächsten Morgen erblickte ich überrascht einen wolkenlos blauen Himmel und eine Sonne, die die Umgebung in ihrem Licht erhellte. Endlich ein Tag mit schönem Wetter zum Wandern. So ging es nach kurzer Recherche per Pedes zum winzigen Bahnsteig von Jaklovce, welches nahe eines weit über die Ufer überfluteten Flusses lag. Ein kleiner Zug auf der Einspurbahn brachte mich in weniger als 5 Minuten zum Bahnhof von Margecany. Hier bot sind ein nettes Provinsbahnhofspanorama. Leider bleib meine Hoffnung auf eine Gepäckaufbewahrung im Bahnhof unerfüllt. Im kleinen Supermarkt am Vorplatz wurde ich dann zunächst des Ladens verwiesen, da zw. 9 und 11 Uhr aus Coronaschutz nur Senioren diesen betreten durften, was ich nicht gesehen hatte. Nachdem der Versuch mir ein Wasser mit Kohlensäure an der Tür zu verkaufen scheiterte, da die Angestellte nicht verstand was ich wollte, durfte ich dann doch eintreten um mir dieses und ein paar Baguettes zu kaufen, geht doch. Frei nach Google Maps Sattelitenbilder hatte ich einen Weg auf den 1028m hohen Rohacka gewählt. Schon auf dem Weg zum Einstieg in der nähe des Stadions hinterm Bahnhof wurde mir bewusst, dass mein Rucksack definitiv zu schwer war, um diesem mit hoch nehmen zu können. Wie es das Schicksal wollte, arbeitet ein älterer Mann in seinem Kleingarten am Fuß des Berges und ich fragte ihn, ob er auf mein Gepäck aufpassen könne, bis ich wieder zurück sei. Wir verabredeten eine Zeit und so vertraute ich nun einfach auf diesen freundlichen Herrn. Nach einer guten dreiviertel Stunde erreiche ich das erste Zwischenziel, einen Funkturm, und nach weiteren 1,5 Stunden über eine ausgewiesene Route den Gipfel, welcher mir zwar keine gute Aussicht bot, diese hatte ich teilweise auf dem Weg dafür, aber ein Lockbuch, in dem ich mich als Besteiger dieses Berges verewigen konnte, eine wie ich finde tolle Sache. Der Weg hinauf war durchaus anspruchsvoll für einen Gelegenheitswanderer wie mich, der Weg hinab aber durchaus anstrengender, da sich mein Knie schmerzend bemerkbar machte und ich teilweise mehr humpelt als laufend vorankommen musste. Da ich mutterseelenallein durch diesen Wald lief, wäre Hilfe nicht leicht gewesen, aber es klappte und ich erreichte innerhalb der vereinbarten Zeit den Kleingarten. Rucksack wurde mir freudig übergeben und als kleinen Dank meinerseits etwas Trinkgeld für das ein oder andere Pivo. Diese Wanderung war wirklich gelungen und so hätte ich gleich noch eine machen können, aber der Plan sah vor, mit dem Zug die restlichen Kilometer nach Kosice zu fahren und hier im Hostel Kosice nun die letzten beiden Nächte zu verbringen. Vom Bahnhof Kosice ging es zu Fuß durch den angrenzenden Park, in dessen Nähe sich das Hostel befindet. Für 15Euro/Nacht konnte man hier günstig und trotzdem nicht schlecht schlafen. Da aufgrund von Coronaschutz viele Bars und Restaurants geschlossen hatten, blieb es den Abend dann bei aber leider bei etwas Pizza und Flaschenbier.

Ziel am nächsten Tag war es, ein Mountainbike zu mieten und damit in den bewaldeten Berge im Norden von Kosice zu fahren. Eigentlich kein allzu schweres Unterfangen, dachte ich. Früh um 9 Stand ich vor dem ersten Bike-Shop, welcher allerdings vorübergehend geschlossen war, so das es zu Nummer 2 ging (noch zu) gefolgt von Laden 3. Hier vermietet man leider nur noch E-Mountainbikes und das zu einem stolzen Preis von 50€/Tag. Weder wollte ich eine E-Variante noch so viel Geld für ein Rad zahlen, daher zurück zu Shop 2, welcher nun zwar geöffnet hatte, jedoch keine Bikes vermietet. Dafür gab es den wertvollen Tipp, ein paar Meter weiter im Laden Outdoor Sportcom konnte ich ein Mountainbike für 10€/ für 5h oder falls man länger braucht für 15€/Tag mieten. Dazu gab es den Hinweis, dass die Witterung einen Ausflug in die Wälder eher nicht zulässt. Naja einen Plan B gab es nicht also einfach mal los und über ausgewiesene Biketracks ging es mal mehr mal weiniger gut zu fahren, aber es war eine Challenge und machte Spaß. Einen Zwischenstop in einem überdachten Biergarten, versuchte ich weiter bergauf zu kommen. Jedoch hatte das Mountainbike einen dünneren Hinterreifen mit weniger Profil, so dass auf dem feuchten Laub kein weiterkommen war. Somit im gemäßigten Tempo Downhill den Rückweg abgespult. Froh ohne Sturz unten angekommen zu sein, noch etwas Sightseeing in der Innenstadt gemacht, u.a. den imposanten Elisabeth-Dom und das Theater. Einen leckeren Burger mit Pommes ToGo für nen schmalen Taler später, das Bike zurückgegeben und einmal ins gegenüber des Bahnhofs gelegene Einkaufszentrum gegangen, welches aber wie sonst üblich war. Daher nur Proviant in Form von Frühstück und einige Bier besorgt. Im Hostel wieder angekommen, wurde der Abend mit einem Schweizer und einem Norweger bei dem ein oder anderen Bier diskutierend verbracht. Es folgte der Tag der Abreise. Per Flixbus ging es dank Gutschein für die fehlerhafte Hinfahrt für 5 neue Euro vom zentralen Busbahnhof über die Tatra nach Polen bis Krakau, dort kurzer Buswechsel nach Kattowitz. Hier galt es noch 7 Stunden umzukriegen. Nach Fußmarsch zum Stadion von GKS Katowice festgestellt, dass das heutige Spiel kurzfristig abgesagt wurde. Zunächst nahe des Tesco in einem Vapiano-Verschnitt bei einem Bier ausgeruht, ging es dann nach etwas Suche in ein gutes polnisches Restaurant, um neben Piroggen ein paar leckere Biere zu verköstigen. Im Regen traf dann planmäßig der doppelstöckige Flixbus nach Berlin ein, in dem die Nachtfahrt erfolgreich verschlafen werden konnte. Kollege MRK war ebenfalls in der Stadt und mit Auto erreichten wir am Abend fast wie geplant wieder Dortmund City. Festzuhalten bleibt, dass es angesichts der Möglichkeiten eine gelungene Tour war und auch allein keine Langeweile aufgekommen ist. Gesprächs- und Trinkpartner fehlten dennoch, aber das Land wusste mit ihrer provinziellen Art und ursprünglichen Landschaft sowie dem leckeren heimischen Pivo absolut zu gefallen.